Landesverein Badische Heimat e.V.

Der Erste Weltkrieg in Frankreich

9.5.14

Die Wege der Erinnerung

Im Departement Nord-Pas de Calais ist ein reiches und relativ unbekanntes Kulturerbe aus dem ersten Weltkrieg erhalten. Militärfriedhöfe, Gedenkstätten und Überreste sind die ergreifenden und stillen Zeugen der Ereignisse dieses Konflikts.

Auf den “Chemins de mémoire de la Grande Guerre en Nord-Pas de Calais” (dt. Wege der Erinnerung an den Großen Krieg im Nord-Pas de Calais) erfahren Sie mehr über diese wichtigen Meilensteine der europäischen und internationalen Geschichte, wobei jene Frauen und Männer geehrt werden, die trotz ihrer unterschiedlichsten Herkunft Seite an Seite in dieser Region ihre letzte Ruhestätte fanden.

Die Front Ende 1914 erlischt jede Hoffnung auf einen raschen Sieg in beiden Lagern. Die Frontlinie reicht von der belgischen Küste bis zu den Vogesen und erstreckt sich im Nord-Pas de Calais gleich einer riesigen Narbe zwischen Flandern und Picardie.

Die unzähligen Militärfriedhöfe, die sich heute in der Region befinden, zeigen anhand der unterschiedlichen vertretenen Nationalitäten das globale Ausmaß dieses Konflikts.

So befindet sich ca. 20 km von Lille entfernt der Fromelles Australian Memorial Park sowie das Neuve-Chapelle (Indian) Memorial, das gleich neben dem portugiesischen Militärfriedhof von Richebourg liegt.

In der Hügellandschaft Collines d’Artois zwischen Lens und Arras sind zahlreiche Gedenkstätten zu Ehren der Männer und Frauen der französischen Armee verborgen, die insbesondere bei den Offensiven von Mai und September 1915 in diesem Abschnitt gefallen sind. Mit 20.000 Grabstätten, zu denen die Überreste von 22.000 Soldaten in Beinhäusern hinzukommen, ist der französische Nationalfriedhof Notre-Dame-de- Lorette in Ablain-Saint-Nazaire der größte französische Militärfriedhof.

Unweit von hier wurde nach dem Krieg in Neuville-Saint-Vaast das deutsche Gräberfeld von La Maison Blanche geschaffen. Es handelt sich um den größten deutschen Militärfriedhof Frankreichs, wo die Überreste von mehr als 44.800 Soldaten versammelt wurden, die auf den Schlachtfeldern der Region gefallen waren.

Als Vorbereitung auf die Schlacht von Arras, die von der geplanten französischen Offensive am Chemin des Dames ablenken sollte, legte die britische Armee ein ausgedehntes unterirdisches Netzwerke an, das teilweise besichtigt werden kann: Der Wellington-Steinbruch.

Am 9. April 1917 beginnt der Angriff. Im Norden können die Kanadier erfolgreich den Gipfel von Vimy einnehmen und setzen damit einen Meilenstein in der Geschichte ihrer Nation. Auf der Spitze dieses Bergs steht eines der großartigsten Monumente des Ersten Weltkriegs: Das Kanadische Nationaldenkmal von Vimy.

In der Nähe befinden sich ebenfalls weitere Gedenkstätten wie das Newfoundland Memorial Monchy-le-Preux und der Australian Memorial Park von Bullecourt, die von der britischen Offensive vor Arras zeugen.

Am 20. November 1917 entsendet die britische Armee auf völlig neue Weise 476 Panzer im Rahmen der Offensive vor Cambrai. Der Louverval Military Cemetery und das Cambrai Memorial erinnern an diesen Meilenstein der technischen Kriegsführung.

Der Bewegungskrieg und die deutsche Besetzung
Ende August 1914 kommt die deutsche Armee, nachdem sie Belgien durchquert hat, auf ihrem Weg nach Paris vor dem Festungsring von Maubeuge zum Stillstand, der nach Plänen des Militäringenieurs Séré de Rivières gebaut worden war. Die Belagerung der Anlage dauert 10 Tage. In dieser Zeit sind die Festungen (darunter das Fort de Leveau, das heute besichtigt werden kann) dem ständigen Feuer der deutschen Artillerie ausgesetzt. Die Kapitulation der Festungsanlage wird am 8. September 1914 offiziell erklärt.

Nach der gescheiterten 1. Marne-Schlacht und dem “Wettlauf zum Meer” kommt die Front zum Stillstand und die Armeen graben sich ein. Der Bewegungskrieg wird zum Stellungskrieg.

Die deutsche Armee besetzt die eroberten Gebiete einschließlich der Stadt Lille, einen großen Teil des Bergbaubeckens im Nord-Pas de Calais und den südlichen Teil des Nord-Departements. Angesichts der Regeln, die vom neuen Militärkommando auferlegt werden, entwickeln sich verschiedene Formen des Widerstands, die später gewaltsam niedergedrückt werden. Das Denkmal für die in Lille erschossenen Widerstandskämpfer erinnert an die Hinrichtung der führenden Mitglieder des Widerstandsnetzwerks Jacquet am 22. September 1915, sowie des jungen Leon Trulin einige Wochen später.

Das Jahr 1918 markiert die erneute Einleitung des Bewegungskriegs. Nach den deutschen Frühjahrsoffensiven starten die alliierten Armeen unter dem einheitlichen Kommando des Marschalls Foch im August eine weitflächige Offensive, sodass die deutschen Verteidigungslinien durchbrochen werden können.

Der 4. November ist seither ein wichtiges Gedenkdatum: zu Füßen des Le Quesnoy New Zealand Memorial erweisen die Einwohner der Stadt den Truppen unter der Silberfarn-Flagge (dem Wahrzeichen Neuseelands) eine Hommage, da sie von ihnen befreit wurden. Auf dem Friedhof im Dorf Ors in der Nähe von Cateau-Cambrésis wird das bedeutende Werk des Kriegsdichters Wilfrid Owen geehrt, der an diesem 4. November 1918 getötet wurde.

Die Küste, derStützpunkt der alliierten Armeen
1916 wird das Hauptquartier der britischen Armee in Montreuil-sur-Mer festgelegt und anschließend zum zentralen Punkt einer riesigen Gefechtslogistik-Zone ausgebaut, die sich an der Küste des Ärmelkanals entlang zieht.

Durch die Häfen der Küstenstädte wie Calais und Boulogne-sur-Mer werden der Versorgungsnachschub als auch die Truppen aus dem gesamten britischen Reich geschleust. Nach den Einsatzübungen im riesigen Lager von Etaples werden die Soldaten an die verschiedenen Frontabschnitte unter britischer Kontrolle geschickt: Flandern, Artois und Somme Die Logistik wird von den sog. Labour Corps, freiwilligen Arbeitereinheiten, gesichert, in denen Ägypter, Inder, eingeborene Südafrikaner und Chinesen engagiert sind, von denen einige auf dem militärischen Quadrat des Friedhofs von Saint-Etienne-au-Mont südlich von Boulogne begraben sind.

Der größte Friedhof des Commonwealth in Frankreich ist der Militärfriedhof von Etaples, der ebenfalls an die Tätigkeit der zahlreichen Lazarette entlang der Küste erinnert, in denen die Verwundeten der Front behandelt wurden. Die Menschen, die darin starben, wurden auf den nahen Friedhöfen begraben, wie z.B. der kanadische Dichter John McCrae, Autor des berühmten Gedichts “In Flanders Fields” (dt. Auf den Schlachtfeldern in Flandern), der auf dem Friedhof von Wimereux beigesetzt wurde.

Der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete
Für den Wiederaufbau der kriegszerstörten Städte werden die entsprechenden Entscheidungen nach den Wünschen der Politiker und den Vorschlägen der Architekten getroffen.

Arras knüpft an sein reiches Kulturerbe an, dank einer wirklichkeitsgetreuen Rekonstruktion der Häuserfassaden entlang der Plätze, seines Rathauses und des Glockenturms.

In Flandern nehmen Städte wie Bailleul und Armentières unter dem Einfluss des Architekten Louis- Marie Cordonnier einen regional geprägten Stil an.

So wie Cambrai oder auch Lens entscheiden sich andere Gemeinden für eine moderne Architektur im Art-Déco-Stil. Wie dies an den Häuserfassaden am Grand-Place ersichtlich ist, realisiert die Stadt Béthune eine gelungene Kombination aus regionalem Baustil und Art Déco.

Texte: www.atout-france.fr, www.rendezvousenfrance.com

 
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