Heinrich Hauß, der langjährige Chefredakteur der Zeitschrift „Badische Heimat“, hat wichtige Gedenktage Badischer Geschichte für Sie ausgewählt. Mit einem dieser Gedenktage befasst sich auch sein Artikel „Das Ständehaus in Karlsruhe, das erste deutsche Parlamentsgebäude. 16. Oktober 2020: Zweihundert Jahre seit der Grundsteinlegung“

Gedenktage

 Vor 50 Jahren:

07.06.1970: Wiederholung der Volksabstimmung von 1951 über die Wiederherstellung Badens

Vor 75 Jahren:

19.09.1945 Amerikaner proklamieren das Land Württemberg-Baden

01.03.1944 Zerstörung Bruchsals durch Bombenangriff

Vor 100 Jahren:

14.04.1920 Gründung der Schule Schloss Salem als Landerziehungsheim durch Prinz Max

01.10.1020 Fusionierung der Kunstgewerbeschule und der Kunstakademie zur

Landeskunstschule

Vor 150 Jahren:

21.12.1870 Ratifizierung des Vertragswerks über die Reichsgründung im Landtag

Vor 200 Jahren:

16.10.1820 Grundsteinlegung des Ständehauses in Karlsruhe mit Rede von

Prälat J.P. Hebel

02.05.1820 Geburtstag Robert Gerwigs

Vor 250 Jahren:

20.03.1770 Geburtstag Johann Gottfried Tullas

Vor 300 Jahren:

März 1720   Damian Hugo von Schönborn wählt Bruchsal als Bauplatz für seine neue

Residenz

12.04.1720 Kurfürst Karl Philipp verlegt die kurpfälzische Residenz von Heidelberg nach

Mannheim

Ständehaus

Das Ständehaus in Karlsruhe, das erste deutsche Parlamentsgebäude

1. Oktober 2020: Zweihundert Jahre seit der Grundsteinlegung

I. Die Bedeutung des Ortes

„Wenn man heute Orte sucht, die für die Entwicklung der Demokratie in Deutschland von Bedeutung waren, wird mit Sicherheit über das Hambacher Schloss und der Frankfurter Paulskirche auch das Badische Ständehaus in Karlsruhe genannt werden müssen“.(1). Was in der Zweiten Klammer des Ständehauses verhandelt wurde, hat Franz Schnabel in wenigen  Sätzen zusammengefasst:

„Ganz Deutschland blickte nach dem Ständehaus in  Karlsruhe, wo die umjubelten Volksführer die Frage nach Einheit und Freiheit zu ersten Mal öffentlich erörterten und der Kampf gegen das alte System einen oft dramatischen Verlauf nahm. Auf der  Tribüne drängten sich die Zuschauer, die von weither angereist waren. Und die fremden Diplomaten berichteten eingehend nach Hause von dem ungewohnten Schauspiel einer öffentlichen ständischen  Versammlung in Deutschland.  Die badischen Landtage wurden zu einer eigentlichen Schule des vormärzlichen Liberalismus.

II. Die ersten Sitzungen in Provisorien

Für den ersten Landtag am 22.4.1819  stellte der Großherzog den Turmflügel des Schlosses zur Verfügung. Dann wechselte die Ständeversammlung in das Anwesen des Sattlermeisters Carl Schmid vis – a – vis des Markgräflichen Palais. Die Zweite Kammer tagte dort vom 26. 5. bis zum 5. 9. 1820. Am 17.8.1820 schlug der Militärbaumeister Friedrich Arnold (1786-1854) einen Neubau vor. Er sollte auf dem Gartengelände des Postverwalters Sebald Greglinger errichtet werden. Arnold erhielt am 31.1.1821 die „Direktion über den Bau“. Am. 16.10.1820 wurde der Grundstein zu dem Gebäude gelegt. Die erste Sitzung fand am 4.9.1822 statt.

III. Abriss der Brandruine im Jahre 1961

„Eigentlich unbegreiflich“

„Für den Untergang des Ständehauses waren letztlich die Nationalsozialisten verantwortlich“(2). „Für Baden ist der Untergangstermin beinahe auf die Stunde genau anzugeben: 11. März 1933, nach 11 Uhr“ (3). Mit der Absetzung des Staatspräsidenten Dr. Joseph Schmitt durch Robert Wagner endete die Badische Republik und damit auch die parlamentarische Funktion des Ständehauses. Am 9.6.1933 vertagte sich der Landtag auf unbestimmte Zeit, am 14.10.1933 löste sich der Landtag endgültig auf.

In der letzten Sitzung des Landtages vom 9. Juni 1933 wurde über das badische Ermächti- gungsgesetz abgestimmt. Der Abgeordnete Josef Amann hatte die Aufgabe, das Nein seiner Fraktion zu diesem Gesetz zu sprechen. „Unter dem Gelächter der Nationalsozialisten forderte er Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung, während der für das Zentrum sprechende Prälat Föhr der neuen Regierung die Loyalität seiner Partei zusagte. Mit diesem unwürdigen Akte endete ein Jahrhundert badischer Landtagsgeschichte“ (4).

Noch im Jahre 1944 wurde das „ehemalige Landtagsgebäude“ an die Landesstelle des Reichspropagandaministeriums und an das Gaupropagandaamt Baden vermietet.

Bei einem Fliegerangriff wurde das Ständehaus am 27.September 1944 zerstört. Am 13. November 1961 wurde mit den Abriss der Bauruine „sang- und klanglos“(Schwarzmaier) begonnen. 1987 nach 27 Jahren seit dem Abriss schien man zu realisieren, was man mit dem Abriss der Ständehausruine endgültig für die Stadt und das Land verloren hatte. „Ohne Rücksicht auf den historischen Stellenwert des Parlamentsgebäudes, ohne sich auf die ureigene lokale Bautradition und den hohen Stellenwert des für Karlsruhe bekannt gewordenen Gebäudeensembles zu besinnen, wurde die Brandruine im Jahre 1961 niedergelegt“ (5).1979 wurde das auf dem früheren Areal des Ständehausareals von  Helmut Bätzner errichtete Gemeindehaus mit Stephansaal eingeweiht. Nachdem die Stadt Karlsruhe 1987 das 930 Quadratmeter große Restgrundstück (Süd-Ost- Ecke) gekauft hatte, wurde in der Zeit von 21.11.1987 bis zum 22.3.1988 in einer Veranstaltungsreihe der BNN und der Badischen Heimat Bau und Nutzung unter dem Titel „Ständehaus – was nun? öffentlich mit Fachleuten.  diskutiert (6).

IV. „Für das ehemalige Badische Landtagsgebäude nichts übrig“

„Das neue Land Baden – Württemberg hatte für die Ruine des ehemaligen Badischen Landtags nichts übrig …. und so verschwand die steingewordene Erinnerung an das erste Parlamentsgebäude in Deutschland“ (7). Obwohl „das Gerippe des Ständehauses über viele Jahre“ als eine Mahnung“ empfunden werden konnte, „das bauhistorisch wertvolle, geschichtsträchtige Haus wiederaufzubauen“, wurde sie nicht wahrgenommen. Kurz vor der Auffindung des Grundsteins (22.3.1962) schrieb Otto B. Rögele im Rheinischen Merkur: „Eine den Zeugnissen der badischen Selbständigkeit im Grunde feindliche Staatsgewalt, ein  auf banale Modernität und Gewerbesteuer erpichte Stadtverwaltung und ein Geschäftsdenken…haben in einträchtigem Zusammenwirken erreicht, dass der einst so bedeutende Besitz Karlsruhes an Bauten der klassischen und romantischen  Epoche immer kleiner wird“ (8). In der Nachkriegszeit hatte das Ziel „der Stadt eine neue Identität zu verschaffen, einen außerordentlichen Rang (9). Eine ausschlaggebende  Rolle im  Identitätsfindungsprozess der Stadt Karlsruhe nach dem Krieg spielten die Ansiedlungen der Hohen Gerichte: Am 8.10.1950 wurde des BGH eröffnet, am 18.4.1951 das BVG. Ein Blick auf die landespolitischen Daten 1961 und 1962 können zur Klärung des Desinteresses des neuen Bundeslandes  an der Ständehausruine herangezogen werden. Am  5. / 6. 6.1961 wurde das neue Landtagsgebäude in Stuttgart eingeweiht und 1962 die Zehnjahresfeier begangen. Eine historische Anknüpfung „an die reichen parlamentarischen Traditionen im Südwesten mit den Landtagen in Karlsruhe und Stuttgart“ (10) im Zeichen des Interesses an der Landesgeschichte sollte genügen. In Karlruhe, so argumentierte man wohl in Stuttgart, „wird kein Landtag mehr tagen, also bedarf es auch keines Gebäudes mehr dafür“ (U. Theobald).

V. „Spät erwachte Liebe“:

Die Veranstaltungsreihe „Ständehaus – was nun?“

Bei der Eröffnungsveranstaltung „Ständehaus – was nun ? “(11) der BNN und der Badischen Heimat hat OB Gerhard Seiler zur Frage der Verantwortung für den Abriss Stellung bezogen :  „Diese Diskussion, die jetzt geführt wird und in manchen Teilen den Ton der Anklage gegen die Stadt hat, müsste nicht mit der Stadt geführt werden, sondern mit dem Land Baden-Württemberg“. Und schließlich: „wo waren die Diskussionen im Jahre 1945 bis zum Jahre 1961 als dieses Gebäude…abgerissen wurde… warum hat die Badische Heimat, warum haben die Badischen Neusten Nachrichten damals, als  es noch etwas zu schützen gab,…nicht ein solches Aufgebot hervorragender Fachleute zusammengebracht? “ (12). Ein Teilnehmer  der Veranstaltungsreihe brachte den Abriss 1961 hellsichtig  mit der „Identitätsirritation“, in der sich die Stadt damals befand, in Verbindung (Jakob).

Nach Weinbrenner war die „Disposition“ des Grundstücks hinter der Kirche für eine angemessene Bebauung „nicht die günstigste“. Die Ecke gegen den katholischen Kirchplatz  sah er als das „Centrum“  und ordnete die Seiten „beyde als Hauptfronten des Gebäudes“ an. Die Ecke artikulierte er durch ein so genanntes Rondell. So hat denn auch Everke in seinem Vortrag  als Bedingung für einen neuen Entwurf die Wiederaufnahme des Eckrondells empfohlen. Das Eckrondell als „ein besonders Merkmal des Ständehauses“ würde sich so als „symbolischer Bedeutungsträger“ anbieten (12).

Stadtrat August Vogel (CDU) wies auf die Dimensionen der „Ständehausfrage“ hin, sie sei nicht nur eine Frage der geschichtlichen Identität dieser Stadt“, sondern auch eine Frage der Erwartung“, die aus ganz Baden an die Stadt gestellt wird.“ Gewissermaßen werde erwartet, dass die Stadt Karlsruhe, ihre  „Rolle als alte badische Residenz weiterspiele“(13).

Die Synthese von Gedenkstätte und Stadtbibliothek, auf die man sich schließlich einigte, interpretierte Michael Heck als Beweis dafür, dass „die Bibliothek der institutionalisierte Beweis dafür  sei, „dass der Kampf für mehr Liberalität doch erfolgreich war“ (14).

 

Anmerkungen:

1 Ernst Otto Bräunche, Karlsruhe Stadt der Demokratie und des Rechts in: Baden – Württembergische Erinnerungsorte, 2012, S.154.

2 Projektgruppe Erinnerungsstätte  Ständehaus,  Erinnerungsstätte im Ständehaus. In: Karlsruhe stadthistorische Beiträge 1988-1993,1994, S. 203.

3 Hans Georg Zier, Die politische Geschichte Badens 1918-1933. In: Badische Geschichte. Vom Großherzogtum  bis zur Gegenwart. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.),1979. S. 143.

4 Hansmartin Schwarzmaier, Von der Weimarer Republik zum Dritten  Reich. In: Von der Ständeversammlung zum demokratischen  Parlament. Die Geschichte der Volksvertretungen in Baden – Württemberg. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.), 1982, S. 242. Zusammensetzung des „Nazi-Landtages“:  57 Abgeordnete: 30 Nationalsozialisten (45,5 %), 17 Zentrum, 8 SPD, 2 Nationalliberale.

5  G. Everke, Stephanplatz in: Stadtplätze in Karlsruhe. Veröffentlichung des Stadtarchivs Karlsruhe Bd.26, 2003, S.190.

6  Horst Schlesinger / Josef Werner, Die 60er  Jahre. Ein Karlsruher Jahrzehnt in Bildern, 1994,S. 30.

7  Gerhard Everke, Baugeschichte und Schicksal des Karlsruhe Ständehauses,  17. 12.1987. In:  U. Theobald (Hrsg), Ständehaus – was nun?  Typoscript ohne Seitenzahlen, 1987.

8 Dekanatszentrum St. Stephan am 21.11.1987.

9 Ernst Otto Bräunche, Karlsruhe Stadt der Demokratie und der Rechte. In:  R. Weber / P. Steinbach  / H..-G. Wehling, Baden – Württemberg Erinnerungsorte, 2012, S.159.

10 Stationen 1952 – 1992  Baden – Württemberg und sein Landtag, Landtag B.-W.(Hrsg.).

11  Motto der Veranstaltungsreihe: „Spät erwachte Liebe zu einem dafür umso “teureren“ Andenken  – zu spät??“.

12 G. Everke, Baugeschichte am 17.12.1987 a. a. O.

13 H. Hauß, August Vogel, Vorkämpfer für das Ständehaus BH 3/1973, S. 514.

14 H. Hauß, 175. Jubiläum der Badischen Verfassung und Einweihung der Stadtbibliothek im Ständehaus, BH 3/1993, S. 37.

 

 

 

Die Artikel und Berichte, welche insbesondere in den Badischen Neuesten Nachrichten über die Zustände an den Grenzkontrollpunkten herrschen, aber auch die Angriffe Deutscher gegenüber Franzosen, die von Beleidigungen bis zum Zerstechen von Autoreifen reichen, haben die Badische Heimat RG Karlsruhe veranlasst, zusammen mit der Landesvereinigung Baden in Europa eine Presseerklärung abzugeben:

Abscheu und Entsetzen über Diskriminierung französischer Pendler

Landesvereinigung Baden in Europa und Badische Heimat verurteilen nationalistisches Verhalten auf das Schärfste

Karlsruhe (hd/hom). Mit Abscheu und Entsetzen reagierten die Mitglieder des Vereins „Landesvereinigung Baden in Europa“ und der Verein „Badische Heimat Regionalgruppe Karlsruhe“ auf die Medienberichte, die über Diskriminierungen und Anfeindungen elsässischer Pendlerinnen und Pendler im Grenzgebiet zu unseren Nachbarn schrieben.

„ In der Krise zeigt sich das Gute und das Schlechte im Menschen“, so sagt der Volksmund.

Bei den geschilderten Vorfällen haben sich die ewig gestrigen Nationalisten ihr verachtenswertes „Mütchen“ durch persönliche Beleidigungen und zerkratzte Fahrzeuge mit elsässischen Kennzeichen gekühlt.

Die „Landesvereinigung Baden in Europa“ und die „Badische Heimat Regionalgruppe Karlsruhe“ verurteilen wie der Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und die Landräte von Rastatt und Germersheim, sowie die politischen Vertreter des Elsass die unzumutbaren Schikanen an der Grenze, wenn Pendlerinnen und Pendler von ihrer Arbeit in Baden wieder nach Hause zurückkehren.

Wir leben friedlich, gemeinsam am gleichen Rheinwasser in der Trinationalen Metropolregion Oberrhein!

Im März, kurz vor der Corona-Krise plante die „Landesvereinigung Baden in Europa“, die „Badische Heimat“ und die „Weinbrennergesellschaft“ gemeinsam mit verschiedenen Vereinen der elsässischen Fédération Alsace Bilingue eine offiziell dokumentierte Zusammenarbeit.

Diese geplante Veranstaltung fiel wegen der Corona-Krise aus, aber sie ist nur aufgeschoben und so wichtig wie nie zuvor!

Die Landesvereinigung und die Badische Heimat unterstützen mit allen ihren Möglichkeiten die politischen Pläne des grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Neustarts des Eurodistrikts PAMINA nach der Krise.

Die beiden Institutionen werden das „angekratzte“ Verhältnis zu den Nachbarn auf der anderen Seite am gemeinsamen Rhein mit Mut und Zuversicht sowie mit gemeinsamen Aktionen für ein friedliche Zusammenleben fortsetzen.

 

Gelernt haben sie aus den Worten des Dichters und Schriftstellers H.G. Adler: „Nichts aus der Geschichte lernen steht als traurige Erkenntnis dafür da, dass wir nicht genügend lernen, aber alles was die Menschheit je gelernt hat, verdankt sie der Geschichte…“

Daten Badischer Geschichte

23. Oktober 1949:Wiedergründung des Landesvereins Badische Heimat in Freiburg

1949 – 2019: 70 Jahre seit der Wiedergründung

 In  dem Zeitraum zwischen Oktober 1949 und März 1950 bahnten sich Entwicklungen an, die sowohl vereinsgeschichtlich wie publizistisch für die Entwicklung des badischen Geschichts- und Selbstbewusstsein von Bedeutung sind. Zeiträume dieser Art werden von Institutionen und Vereinen gerne  aufgenommen, um in der Öffentlichkeit ihr Wirken in der Vergangenheit und Visionen für die Zukunft zur Geltung zu bringen. Wir sehen unsere Aufgabe im Rahmen des Halbjahresprogramms der Badischen Heimat und der Badenbriefe der Landesvereinigung Baden in Europa darin, auf die Bedeutung der Termine hinzuweisen.

  1. Vereinsgeschichte

Am Sonntag, den 23. Oktober 1949 wurde im Kaufhaussaal in Freiburg unter Anwesenheit von ca. 400 Mitgliedern der Landesvereins Badische Heimat wieder gegründet. Zuvor musste durch das Gouvernement  Militäire für Payes de Bade die Genehmigung für die Wiedergründung erwirkt werden. „Ursprünglich war bloß daran gedacht, dass der Verein nur für Südbaden gegründet werden sollte“(Schwarzweber) Das wäre wohl auch im Interesse der Militärregierung gewesen. Zum allgemeine Erstaunen erschienen aber „die Karlsruher mit ihrem Oberbürgermeister“ Töpper und verlangten „energisch ihre Teilhaberschaft an der engeren Gründung“, obwohl auch manche Mitglieder im Kaufhaussaal  lieber eine rein  südliche Vereinigung gesehen hätten. Die Abstimmung ergab eine Mehrheit für den Zusammenschluss. Es wurde zunächst ein enger Präsidialausschuss nominiert, der den Vorsitzenden und die weiteren leitenden Vorstandsmitglieder wählen wird.

Nach Dr. Paul Zürcher (1) sollten „ausreichend viele nordbadische Teilnehmer mit betont badischer Einstellung zur Gründungsversammlung nach Freiburg  kommen, um mitzuhelfen,… eine Organisation  wiedererstehen zu lassen, auf welche sich die Badener kulturell stützen könnten, wie immer auch die politische Entscheidung ausfallen möge.“ (Weinacht, 100 Jahre für Baden, S.394). Am 26. Januar 1950 wählte der Präsidialausschuss Ministerialrat Dr. Thoma (2) zum 1.Vorsitzenden, zum 2.Vorsitzenden den Freiburger Kreisschulrat  Joseph Ludolph Wohleb, Geschäftsführer wurde Rudi Keller. Damit war die Wiedergründung des Landesvereins abgeschlossen und der Verein  funktionsfähig. Die Rede, die Landekommissär Paul Schwoerer am 23. Oktober 1949 gehalten hat, wurde im Heft 4/1949 der Zeitschrift „Baden. Monographie einer Landschaft“ abgedruckt. Schwoerer gibt dort einem ausführlichen Überblick über die Geschichte des Landesvereins seit der Gründung. Im zweiten  Teil der Rede würdigt er das Schaffen von Hermann Eris Busse. Die Rede schließt mit dem Wunsch, der Landesverein möge sich „seiner großen Tradition“ stolz bewusst sein und „vom dem Geist und der Gesinnung“ getragen sein, die den Landesverein in der Vergangenheit ausgezeichnet haben. Der Verein  möge sich auch „wie bisher (!) von allen politischen Ideologien frei bewahren“ (Baden 4 / 1950). Die Satzung, die der Militärregierung vorgelegt werden musste, „will Volkstum und Heimat erhalten, hüten und erforschen“ und will „wirken für Heimat und Volkstum“ (Chronik S. 878). In der frühen Nachkriegszeit war man noch nicht fähig, sich von der überkommenen  Verbindung von „Heimat und Volkstum“ zu lösen.  Der Mitgliederstand am 31.12. 1950 betrug übrigens 3540 Mitglieder.

 

  1. 1949 und 1950: Publizistische Daten

1942 war das letzte Heft der Badischen Heimat als Nr.3 mit dem Thema „Badische Köpfe V“ erschienen. Der  Landesverein nahm 1950  mit einer Doppelnummer die Hefttradition „Badische Heimat. Mein Heimatland“ im 30. Jahrgang wieder auf.

Der Schriftleiter Rudi Keller schrieb einen einführenden Aufsatz „ Besinnung und Erbe“. Geschichtliches Bewusstsein verbindet er mit Heimat. „Unser geschichtliches Bewusstsein kann uns nur von der Heimat wiedergegeben werden“ „In der Heimat ist alles durchwirkt von Geschichte“. Nach Keller muss Besinnung einsetzen, und dies geschieht vor allem durch Rückkehr zur „Achtung vor dem überkommenen Erbe“. Die aktuelle Situation wird gewissermaßen „übergeschichtlich“ als „ungeheures Geschick, in das wir gestellt sind“, beschrieben. Mit den „Erbe“ ist wohl die Zeit vor dem Nationalismus gemeint, auf den er aber nicht zu sprechen kommt.

Im Jahre 2020 erscheint die Badische Heimat im 100. Jahrgang, und man kann sagen, dass sich die BH in ihrem Publikationsorgan redlich bemüht hat, dieser Vorstellung gerecht zu werden.

 

Das Jahr 1949 ist aber auch ein weiteres wichtiges publizistisches Datum für Baden. Im März 1949 erschien mit der ersten Nummer die Zeitschrift  „Baden, Monographie einer Landschaft“ (1959-1960) im G. Braun Verlag, die im Jahre 1961 durch die Publikation „Welt am Oberrhein“ im gleichen Verlag abgelöst wurde. Die „Heimatmonographie“ sollte „einem der ältesten und schönsten Räume deutscher Kultur und Geschichte eine Veröffentlichungsmöglichkeit summarischer Natur geben. Sie soll „alle lebendig wirkenden, historischen, schöpferischen und belehrenden Kräfte widerspiegeln (Geleitwort, Baden, Heft 1 / 1949). Die Publikation „Baden“ mit der Publikation „Badische Heimat“ erschien im Verlag G. Braun unter der Leitung von Eberhard Knittel  und leistete im ersten Jahrzehnt   nach der Gründung Baden – Württembergs unverzichtbare Beiträge zum kulturellen  Selbst- bewusstsein Badens.

 

  1. Regionalgruppe Karlsruhe

Schließlich  ist noch zu erwähnen, dass am  27. Mai 1950  die  Regionalgruppe  Karlsruhe wieder gegründet wurde. Die Gründungsversammlung fand unter Vorsitz des Oberbürger- meisters Friedrich Töpper im Rathaus statt. Vorsitz der Regionalgruppe hatten Dr. Eberhard Knittel und Dr. Friedrich Wieland. Knittel behielt den Vorsitz der Ortsgruppe Karlsruhe bis 1987. Dann wurde Reg. Dir. Udo Theoblad neuer Vorsitzender.

Die Geschichte der Regionalgruppe Karlsruhe wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt.

 

Anmerkungen

1 Dr. Paul Zürcher (1893-1980), OLG-Präsident in Freiburg, war ab 1946 eine „beherrschende Figur“ mit
dem Memorandum für das „Kernstaat-Konzept“,  die Regierung in Freiburg als legitime Sprecherin und
„Treuhänderin der gesamten badische Bevölkerung“.

2  Prof. Dr. Eugen Thoma (1877-1955).  1946 von Heinrich Köhler als Ministerialrat in die Kultus – und Unter-
richtsverwaltung des Landesbezirks Baden berufen

 

Heinrich Hauß