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Daten Badischer Geschichte

23. Oktober 1949:Wiedergründung des Landesvereins Badische Heimat in Freiburg

1949 – 2019: 70 Jahre seit der Wiedergründung

 In  dem Zeitraum zwischen Oktober 1949 und März 1950 bahnten sich Entwicklungen an, die sowohl vereinsgeschichtlich wie publizistisch für die Entwicklung des badischen Geschichts- und Selbstbewusstsein von Bedeutung sind. Zeiträume dieser Art werden von Institutionen und Vereinen gerne  aufgenommen, um in der Öffentlichkeit ihr Wirken in der Vergangenheit und Visionen für die Zukunft zur Geltung zu bringen. Wir sehen unsere Aufgabe im Rahmen des Halbjahresprogramms der Badischen Heimat und der Badenbriefe der Landesvereinigung Baden in Europa darin, auf die Bedeutung der Termine hinzuweisen.

  1. Vereinsgeschichte

Am Sonntag, den 23. Oktober 1949 wurde im Kaufhaussaal in Freiburg unter Anwesenheit von ca. 400 Mitgliedern der Landesvereins Badische Heimat wieder gegründet. Zuvor musste durch das Gouvernement  Militäire für Payes de Bade die Genehmigung für die Wiedergründung erwirkt werden. „Ursprünglich war bloß daran gedacht, dass der Verein nur für Südbaden gegründet werden sollte“(Schwarzweber) Das wäre wohl auch im Interesse der Militärregierung gewesen. Zum allgemeine Erstaunen erschienen aber „die Karlsruher mit ihrem Oberbürgermeister“ Töpper und verlangten „energisch ihre Teilhaberschaft an der engeren Gründung“, obwohl auch manche Mitglieder im Kaufhaussaal  lieber eine rein  südliche Vereinigung gesehen hätten. Die Abstimmung ergab eine Mehrheit für den Zusammenschluss. Es wurde zunächst ein enger Präsidialausschuss nominiert, der den Vorsitzenden und die weiteren leitenden Vorstandsmitglieder wählen wird.

Nach Dr. Paul Zürcher (1) sollten „ausreichend viele nordbadische Teilnehmer mit betont badischer Einstellung zur Gründungsversammlung nach Freiburg  kommen, um mitzuhelfen,… eine Organisation  wiedererstehen zu lassen, auf welche sich die Badener kulturell stützen könnten, wie immer auch die politische Entscheidung ausfallen möge.“ (Weinacht, 100 Jahre für Baden, S.394). Am 26. Januar 1950 wählte der Präsidialausschuss Ministerialrat Dr. Thoma (2) zum 1.Vorsitzenden, zum 2.Vorsitzenden den Freiburger Kreisschulrat  Joseph Ludolph Wohleb, Geschäftsführer wurde Rudi Keller. Damit war die Wiedergründung des Landesvereins abgeschlossen und der Verein  funktionsfähig. Die Rede, die Landekommissär Paul Schwoerer am 23. Oktober 1949 gehalten hat, wurde im Heft 4/1949 der Zeitschrift „Baden. Monographie einer Landschaft“ abgedruckt. Schwoerer gibt dort einem ausführlichen Überblick über die Geschichte des Landesvereins seit der Gründung. Im zweiten  Teil der Rede würdigt er das Schaffen von Hermann Eris Busse. Die Rede schließt mit dem Wunsch, der Landesverein möge sich „seiner großen Tradition“ stolz bewusst sein und „vom dem Geist und der Gesinnung“ getragen sein, die den Landesverein in der Vergangenheit ausgezeichnet haben. Der Verein  möge sich auch „wie bisher (!) von allen politischen Ideologien frei bewahren“ (Baden 4 / 1950). Die Satzung, die der Militärregierung vorgelegt werden musste, „will Volkstum und Heimat erhalten, hüten und erforschen“ und will „wirken für Heimat und Volkstum“ (Chronik S. 878). In der frühen Nachkriegszeit war man noch nicht fähig, sich von der überkommenen  Verbindung von „Heimat und Volkstum“ zu lösen.  Der Mitgliederstand am 31.12. 1950 betrug übrigens 3540 Mitglieder.

 

  1. 1949 und 1950: Publizistische Daten

1942 war das letzte Heft der Badischen Heimat als Nr.3 mit dem Thema „Badische Köpfe V“ erschienen. Der  Landesverein nahm 1950  mit einer Doppelnummer die Hefttradition „Badische Heimat. Mein Heimatland“ im 30. Jahrgang wieder auf.

Der Schriftleiter Rudi Keller schrieb einen einführenden Aufsatz „ Besinnung und Erbe“. Geschichtliches Bewusstsein verbindet er mit Heimat. „Unser geschichtliches Bewusstsein kann uns nur von der Heimat wiedergegeben werden“ „In der Heimat ist alles durchwirkt von Geschichte“. Nach Keller muss Besinnung einsetzen, und dies geschieht vor allem durch Rückkehr zur „Achtung vor dem überkommenen Erbe“. Die aktuelle Situation wird gewissermaßen „übergeschichtlich“ als „ungeheures Geschick, in das wir gestellt sind“, beschrieben. Mit den „Erbe“ ist wohl die Zeit vor dem Nationalismus gemeint, auf den er aber nicht zu sprechen kommt.

Im Jahre 2020 erscheint die Badische Heimat im 100. Jahrgang, und man kann sagen, dass sich die BH in ihrem Publikationsorgan redlich bemüht hat, dieser Vorstellung gerecht zu werden.

 

Das Jahr 1949 ist aber auch ein weiteres wichtiges publizistisches Datum für Baden. Im März 1949 erschien mit der ersten Nummer die Zeitschrift  „Baden, Monographie einer Landschaft“ (1959-1960) im G. Braun Verlag, die im Jahre 1961 durch die Publikation „Welt am Oberrhein“ im gleichen Verlag abgelöst wurde. Die „Heimatmonographie“ sollte „einem der ältesten und schönsten Räume deutscher Kultur und Geschichte eine Veröffentlichungsmöglichkeit summarischer Natur geben. Sie soll „alle lebendig wirkenden, historischen, schöpferischen und belehrenden Kräfte widerspiegeln (Geleitwort, Baden, Heft 1 / 1949). Die Publikation „Baden“ mit der Publikation „Badische Heimat“ erschien im Verlag G. Braun unter der Leitung von Eberhard Knittel  und leistete im ersten Jahrzehnt   nach der Gründung Baden – Württembergs unverzichtbare Beiträge zum kulturellen  Selbst- bewusstsein Badens.

 

  1. Regionalgruppe Karlsruhe

Schließlich  ist noch zu erwähnen, dass am  27. Mai 1950  die  Regionalgruppe  Karlsruhe wieder gegründet wurde. Die Gründungsversammlung fand unter Vorsitz des Oberbürger- meisters Friedrich Töpper im Rathaus statt. Vorsitz der Regionalgruppe hatten Dr. Eberhard Knittel und Dr. Friedrich Wieland. Knittel behielt den Vorsitz der Ortsgruppe Karlsruhe bis 1987. Dann wurde Reg. Dir. Udo Theoblad neuer Vorsitzender.

Die Geschichte der Regionalgruppe Karlsruhe wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt.

 

Anmerkungen

1 Dr. Paul Zürcher (1893-1980), OLG-Präsident in Freiburg, war ab 1946 eine „beherrschende Figur“ mit
dem Memorandum für das „Kernstaat-Konzept“,  die Regierung in Freiburg als legitime Sprecherin und
„Treuhänderin der gesamten badische Bevölkerung“.

2  Prof. Dr. Eugen Thoma (1877-1955).  1946 von Heinrich Köhler als Ministerialrat in die Kultus – und Unter-
richtsverwaltung des Landesbezirks Baden berufen

 

Heinrich Hauß

 

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